Freitod - Weblog zum Selbstmord
[mit unsäglich origineller GIF-Animation]
 
Dienstag, 11. Februar 2003


"dr. death" stellt neues gerät zur sterbehilfe vor

maschineller erstickungstod "die maschine produziert reines kohlenmonoxid für einen menschen, der leidet und entschieden hat, sein leiden zu beenden", erklärte nitschke seine erfindung. die maschine ermögliche einen friedlichen tod. das gerät könne auch sauerstoff produzieren und damit für therapeutische zwecke eingesetzt werden. daher könne sie nicht verboten werden. [t-online]


[Verlinken]  (no comments)   [Kommentieren]  

Sonntag, 9. Februar 2003


Acht Tage Sperrfrist

Voltaire (François Marie Arouet, 1694-1778) erkennt den Entschluß eines Mitmenschen an, sein Leben zu lassen. In seiner Philosophie setzt der Freund Friedrichs des Großen jedoch alles daran, damit dieses "grausame" Vorhaben nicht ausgeführt wird. im 'Dictionnaire Philosophique' schlägt Voltaire körperliche Ertüchtigung, Musik, die Jagd, Theaterbesuche und die Gesellschaft einer liebenswerten Frau als Mittel gegen den Freitod vor. Zwischen der Entscheidung, sich selbst zu töten, und der Ausführung des Vorhabens soll der Selbstmörder unter allen Umständen acht Tage Zeit vergehen lassen. Wenn er nach einer Woche des Wartens immer noch sterben will, dann kann sich der Selbsterhaltungstrieb des einzelnen wirklich nicht mehr gegen den Todeswunsch durchsetzen.


[Verlinken]  (no comments)   [Kommentieren]  

Dienstag, 4. Februar 2003


Kleists Abschied

Ich kann nicht sterben, ohne mich zufrieden und heiter, wie ich bin, mit der ganzen Welt, und somit auch, vor allem andern, meine teuerste Ulricke, mit Dir versöhnt zu haben... die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war... möge Dir der Himmel einen Tod schenken, nur halb an Freude und aussprechlicher Heiterkeit dem meinigen gleich. (Heinrich von Kleist kurz vor dem frei gewählten Tod)


[Verlinken]  (no comments)   [Kommentieren]  

Montag, 3. Februar 2003


Das Buch der Unruhe

Und über die Brüstung gelehnt und den Tag genießend, erfüllt nur ein einziger Gedanke im mannigfaltigem Raum über der Stadt meine Seele - der innere Wille zu sterben, zu enden, nicht mehr das Licht über irgendeiner Stadt zu erblicken, nicht zu denken, nicht zu fühlen, den Lauf der Sonne und der Tage wie Einwickelpapier hinter mir zu zurückzulassen und wie einen schweren Anzug neben dem großen Bett die unfreiwillige Anstrengung des Daseins abzulegen. [Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe, S. 109 (77)]


[Verlinken]  (no comments)   [Kommentieren]  

Sonntag, 2. Februar 2003


Flaubert: November

Da erschien mir der Tod schön. Ich habe ihn immer geliebt. Als Kind wünschte ich ihn mir aus Neugierde herbei, um zu wissen, wie es in den Gräbern aussieht und was für Träume jener Schlummer birgt. Ich erinnere mich, oft den Grünspan von alten Sousstücken abgekratzt zu haben, um mich damit zu vergiften. Ich versuchte, Nadeln zu verschlucken, mich der Bodenluke zu nähern, um mich auf die Straße zu stürzen... Wenn ich daran denke, daß fast alle Kinder es ebenso machen, daß sie sich bei ihren Spielen zu entleiben suchen, sollte ich daraus nicht schließen, daß der Mensch trotz allem den Tod mit verzehrender Leidenschaft liebt? Er weiht ihm alles, was er schafft, er ist aus ihm geboren und kehrt zu ihm zurück. Solange er lebt, denkt er nur an ihn, er trägt seinen Keim im Körper und den Wunsch danach im Herzen. (Gustav Flaubert: November, S. 36)


[Verlinken]  (no comments)   [Kommentieren]  


Freitod im Mittelalter

Insgesamt bringen sich während des Mittelalters dreimal mehr Männer um als Frauen. Die meisten von ihnen erhängen oder ertränken sich, greifen zum Messer oder stürzen sich von den Brücken oder in Schluchten. Die meisten Menschen nehmen sich im März und April sowie im Juli das Leben. In diesen Monaten wirken sich die Entbehrungen der Fastenzeit und die harten Anstrengungen der Feldarbeit am stärksten auf die bäuerliche Gesellschaft aus - menschlicher Organismus und psychische Widerstandskräfte sind geschwächt. Im Wochenverlauf kommt es montags und freitags zu besonders vielen Selbsttötungen. An Montagen könnte die Abneigung vor einer neuen Arbeitswoche im Dienste weltlicher und geistlicher Herrn Menschen in den selbstbestimmten Tod treiben; am Freitag könnte es die Atmossphäre von Reue und Buße sein, die den Sterbewilligen dazu motiviert, seinem Leben ein Ende zu setzen. Der Suizid häuft sich nicht nur zu bestimmten Jahreszeiten und Wochentagen; zwei Drittel der Selbstötungen finden zwischen Mitternacht und Morgengrauen statt. Der mittelalterliche Mensch läßt sein Leben in den einsamsten Stunden des Tages. (Gerd Mischler: Von der Freiheit, sein Leben zu lassen, S. 54)


[Verlinken]  (no comments)   [Kommentieren]  

Sonntag, 26. Januar 2003


Aus profanem Anlass

1720 kommt es in Paris und London zur ersten Finanzkrise der Neuzeit. Im Sommer des Jahres steigen die Aktienkurse der mit der Karibik handeltreibenden South Sea Company in schwindelerregende Höhen. Im August platzen die Spekulationen. Der Wert der Aktien fällt ins Bodenlose. Unzählige Privatinvestoren, Ladenbesitzer, Kaufleute, Grundbesitzer, Handwerker und Dienstboten hatten sich an den Spekulationen beteiligt und riesige Gewinne erwartet. Jetzt sind sie bankrott. Allein in London steigt die Zahl der Selbsttötungen von 27 Fällen 1720 auf 52 im darauffolgenden Jahr. In einer einzigen Januarwoche nehmen sich sechs Menschen in der englischen Hauptstadt das Leben. (Gerd Mischler: Von der Freiheit, sein Leben zu lassen, S. 84)


[Verlinken]  (no comments)   [Kommentieren]  

Samstag, 25. Januar 2003


In die Freiheit

Der Ausgang aus dem Leben ist euch leichter gemacht als der Eingang. Jeder Augenblick, jeder Ort kann euch lehren, wie leicht es sei, der Natur den Dienst aufzukündigen und ihr Geschenk heimzuzahlen... Sieh dich nur um, überall kannst du dein Elend endigen. Siehst du jene steile Stelle? Dort hinab geht's in die Freiheit! Siehst du jenen kleinen, dürren, verkrüppelten Baum? An ihm hängt die Freiheit! Dein Hals, deine Kehle, dein Herz: lauter Wege, der Sklaverei zu entrinnen. Sind dir diese Auswege zu qualvoll, fordern sie zuviel Mut und Kraft, fragst du nach dem leichtesten Weg zur Freiheit: Jede Ader deines Körpers ist ein solcher Weg! (Seneca)


[Verlinken]  (no comments)   [Kommentieren]  

Freitag, 24. Januar 2003


Antunes: Die Vögel kommen zurück

"Menschen, die vergebens nach einem Sinn des Lebens suchen", bemerkte der Psychologe, während er sorgfältig mit dem Bleistift Kreise auf ein Blatt Papier zeichnete, "sind immer potentielle Selbstmörder. Früher oder später wirft sie die Leere des Alltags in Ängste, wie eingesperrte Ratten in einem Versuchslabor, und dann haben wir die Tabletten, das Gas, den Strick, die Kugel, die Schwefelsäure, die achten Stockwerke, das Messer, den Strom, den Viadukt, die Pestizide von den Weinbergen, das Öl, das Meer: ihre Phantasie, meine Damen und Herren, kennt im wahrsten Sinne des Wortes keine Grenzen." (Antonio Lobo Antunes: Die Vögel kommen zurück, S. 85)


[Verlinken]  (no comments)   [Kommentieren]  

Donnerstag, 23. Januar 2003


Flüchtling erhängt sich aus Angst vor Abschiebung

"Aus Angst vor seiner drohenden Abschiebung hat sich der yezidische Flüchtling David Mamedov in seiner Wohnung im nordrhein-westfälischen Schloss Holte erhängt. David Mamedov war im Jahr 1996 nach schweren Misshandlungen mit seiner Familie aus Georgien in die Bundesrepublik geflohen." [Frankfurter Rundschau]


Freitag, 17. Januar 2003


Compton-Burnett: Männer und Frauen (2)

"Für mich war es immer ein Beweis für die Gleichheit der Geschlechter, daß Frauen ebensogut Selbstmord begehen wir Männer", sagte Geraldine mit einem Anlauf von Kühnheit. "Ich habe absolut nichts gegen Selbstmord, nur gegen das Hinterlassen von Briefen", sagte Mellicent. "Es ist ungezogen, einen Brief zu schreiben, und sich zugleich dem Risiko einer Antwort nicht zu stellen. (Ivy Compton-Burnett: Männer und Frauen, S. 116)


[Verlinken]  (no comments)   [Kommentieren]  

Donnerstag, 16. Januar 2003


abschiedsbrief an leonard woolf, 28.3.1941

"I feel certain that I am going mad again. I feel we can't go through another of those terrible times. And I shan't recover this time. I begin to hear voices, and I can't concentrate. So I am doing what seems the best thing to do. You have given me the greatest possible happiness. You have been in every way all that anyone could be. I don't think two people could have been happier till this terrible disease came. I can't fight any longer. I know that I am spoiling your life, that without me you could work. And you will I know. You see I can't even write this properly. I can't read. What I want to say is I owe all the happiness of my life to you. You have been entirely patient with me and incredibly good. I want to say that - everybody knows it. If anybody could have saved me it would have been you. Everything has gone from me but the certainty of your goodness. I can't go on spoiling your life any longer."


[Verlinken]  (no comments)   [Kommentieren]  


über das hinunterschlingen unverdaulicher dinge

"eine junge adelige polin ward in folge unglücklicher liebe des lebens überdrüssig, und suchte sich durch niederschlingen unverdaulicher dinge zu tödten. sie starb, nachdem sie dieß fünf monate lang gethan hatte, und nachdem - aber zu spät um noch hülfe schaffen zu können - die lust zum leben wieder bei ihr erwacht war. bei der leichenöffnung fand man in ihrem magen: 4 schlüssel, 1 großes und zwei kleine messer, 13 silberne, 2 kupferne und 4 messingene münzen, 20 eisene nägel, die bruchstücke von 6 zinnernen und einem messingenen löffel, 2 silberne löffelstiele, 7 eisene fensternägel, ein messingenes kreuz, einen eisenen knopf, 101 stecknadeln, einen stein, 3 stücken glas und 2 paternosterkügelchen. alles zusammen wog 2 pfund und 12 loth."

(carl. a. diez: der selbstmord, seine ursachen und arten, vom standpunkte der psychologie und erfahrung dargestellt. mit 1 tabelle. 1838.)


[Verlinken]  (no comments)   [Kommentieren]  

 

Geklaut beim Salbader
Geklaut beim Salbader

Hinweis in eigener Sache
Das Weblog Freitod definiert schon mit seinem Namen das Thema, das es enthält: Aspekte des Suizids sollen in gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht erörtert werden. Freitod ist ein kollaboratives Weblog, das allen registrierten Antville-Usern ermöglicht, sich zu beteiligen, indem sie entweder Einträge verfassen oder Kommentare zu den Einträgen schreiben können. Abgrenzend sei gesagt, dass nicht um Sinn und Daseinsberechtigung des Freitodes diskutiert werden soll und dass es sich auch nicht um ein Selbshilfeforum für Gefährdete oder betroffene Angehörigen handelt.

Suchen Sie Erste Hilfe,
ob selbst oder für eine Freundin oder einen Freund
dann probieren Sie diesen Link oder diesen Link (Österreich) aus

oder diesen pragmatischen Hinweis: "Nur nicht heute."

Online seit 8762Tagen
Zuletzt aktualisiert: 31.03.2026, 06:54 Uhr
status
menu

recent
Zuletzt geändert
Sarco II - tragische Entwicklung
2021 wurde hier im Weblog über eine "neuartige Suizidkapsel" berichtet,...
by simons (31.03.26, 06:54)
Stefan Mickisch, Pianist und Musikwissenschaftler
(1962-2021) Ein Kurzportrait mit wesentlichen Links unter Wikipedia.de, eine Zusammenfassung...
by simons (29.03.26, 06:41)
Vollzug und Alternativen.
by simons (12.01.26, 18:05)
Sterbehilfe bei psychischen Krankheiten? -
Claire Brosseau in Kanada aktuell "Acclaimed actress, 48, says she...
by simons (05.01.26, 07:32)
Suizide aufgrund PTBS - Posttraumatischer
Belastungsstörungen am Beispiel der Überlebenden des Massakers des 7. Oktober...
by simons (14.10.25, 12:40)
„Ich will in Würde sterben“,
sagt Niki Glattauer Der Lehrer, Journalist und Schriftsteller Niki Glattauer...
by tobi (03.09.25, 10:12)
"Mentale erste Hilfe" Ein
bemerkenswertes, auf konkrete und praktische Hilfe ausgerichtetes Angebot für potentielle Helfer,...
by simons (18.08.25, 12:32)
Wien, wie es sich leibt
und stirbt... Aus der Kommentarspalte des Standard, hier zu einem...
by simons (05.06.25, 17:06)
Mai 2026
So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.
12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31
März

RSS Feed

Made with Antville
powered by
Helma Object Publisher