Freitod - Weblog zum Selbstmord
[mit unsäglich origineller GIF-Animation]
 
Samstag, 16. Oktober 2004


Gedanken zum Freitod

Literarisches Zitat :

Ich habe oft an Selbstmord gedacht. Was wissen wir, ob der Mensch,der neben uns sitzt und so zweifellos in die Welt schaut, nicht an Selbstmord denkt ! Ich bin fast immer, wenn einer durch Selbstmord ging, verblüfft gewesen über meinen Mangel an Propheterie; fast nie sind es Leute gewesen, denen man es seit Jahren schon zutraute. Plötzlich hat sich einer, dem es an Gaben nicht fehlte, in die Schläfe geschossen.

Was ist dazu zu sagen ?

Es gibt, glaube ich, wenig echte Selbstmorde. Da ist ein Vater, der uns tyrannisiert, und eines Morgens lege ich ihm meine Leiche auf die Schwelle. Bitte, Papa, da hast du´s ! Oder eine Geliebte, der wir nicht mehr genug sind, und es lockt mich, sie zu strafen und zu erschrecken, indem ich ihr meine Leiche ( wenn ich´s nicht schon für den unmöglichen Vater getan habe ) in ihr Zimmer hänge. Das gib es : Selbstmord für die Galerie. Ich glaube, daß der Selbstmörder, der auf Wirkung handelt, sich immer täuscht ; wenn er sehen könnte, wie sein Vater oder seine Geliebte vor dem Unglück stehen, wie anders als erhofft, er wäre in jedem Fall enttäuscht und würde es unterlassen, wenn er nicht schon geschossen hätte. Es ist schade, daß er´s getan hat, aber nicht mehr. Vielleicht ist es furchtbar für die Geliebte, furchtbar für den Vater; aber beide, wenn sie zu mir kämen, würde ich von Selbstanklagen freisprechen – Selbstmord ist keine Art, mit anderen Menschen umzugehen, oder, anders gesprochen, es ist gar kein Selbstmord, sondern eine Erpressung derer, die weiterleben, und insofern gemein. Es liegt mir fern, über ihn den Stab zu brechen, den er bereits selber gebrochen hat; aber ich kenne keine Ehrfurcht vor solcher Tat. Er suchte nicht den Tod, sondern nur eine Wirkung aufs Leben, die er als Lebender eigentlich erleben möchte; eine Tat also, die nicht stimmt.

(Max Frisch; Rede an junge Lehrer, in: NZZ, Nr. 149 vom 24.1.57)


Donnerstag, 14. Oktober 2004


Christopher Reeve

Der vor einigen Tagen an den Folgen einer Wundinfektion gestorbene Superman"-Darsteller Christopher Reeve erklärte einmal, daß er in den ersten Tagen nach dem Unfall an Selbstmord gedacht habe, jedoch schnell davon abkam, als er seine drei Kinder sah. Reeve: "Ich konnte sehen, wie sehr sie mich brauchten und wollten und wie glücklich ich war, daß mein Gehirn noch in Ordnung war." [X]


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Dienstag, 12. Oktober 2004


Suicide is Painless

Through early morning fog I see Visions of the things to be The pains that are withheld for me I realize and I can see

That suicide is painless It brings on many changes And I can take or leave it if I please

Try to find a way to make All our little joys relate Without that ever present hate But now I know that it's too late

And that suicide is painless It brings on many changes And I can take or leave it if I please

The game of life is hard to play I'm going to lose it anyway The losing card I'll someday lay So this is all I have to say

That suicide is painless It brings on many changes And I can take or leave it if I please

The only way to win is cheat And lay it down before I'm beat And to another give a seat For that's the only painless feat

'Cause suicide is painless It brings on many changes And I can take or leave it if I please

The sword of time will pierce our skins It doesn't hurt when it begins But as it works it's way on in The pain grow stronger watch it grin

For suicide is painless It brings on many changes And I can take or leave it if I please

A brave man once requested me To answer questions that are key Is it to be or not to be And I replied "Oh why ask me."

Cause suicide is painless It brings on many changes And I can take or leave it if I please;

And you can do the same thing if you please.

MASH 4077 Theme by Mike Altman & Johnny Mandell


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Rechtzeitig

Ich habe den allergrößten Respekt vor Menschen, die andere pflegen. Das ist größer, als jede Kunst je sein könnte. Aber mir ist seit damals eine panische Angst vor dem Alter geblieben. Ich denke, man sollte sich rechtzeitig umbringen. (Elfriede Jelinek)


Donnerstag, 30. September 2004


Lösung oder Feigheit?

Gestern abend hat sich ein Schulfreund von mir erschoßen. Seine Frau hatte sich von ihm getrennt, und für ihn ist wohl - nicht für alle sichtbar - eine Welt zusammengebrochen. Zurück bleiben zwei kleine Jungen, nun gänzlich ohne Vater. Feigheit vor dem Leben, oder die Lösung seiner Probleme? Ich bin fassungslos.


Montag, 27. September 2004


Damals im Kalten Krieg

Selbstmorde. Januar 1982. Vor Jahren hat man vom Massenselbstmord der Lemminge gesprochen, dieser rattenartigen Tiere, die sich in Scharen ins Meer stürzen, das durchaus nicht ihr Element ist. Man fand keine Ursache. Jetzt schwimmen Hunderte von Robben in Japan an Land, das nicht ihr Element ist. Die Japaner, die großen schlimmen Robbenfänger, treiben, ja jagen jetzt die Robben von der Küste zurück ins Meer. Vergeblich: sie schwimmen eigensinnig an Land, um dort zu sterben. Der Vergleich mit uns Menschen drängt sich auf. Wollen wir den Massenselbstmord durch die Nuklearwassen? Wollen wir keine Rettung mehr? Ist die Zeit, die unsere Gattung zur Verfügung hatte, abgelaufen? Sind wir zwangsläufig Todes-Süchtige? (Luise Rinser: Winterfrühling. 1979-1982, S. 192)


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Samstag, 25. September 2004


Selbstmordrisiko von Geburt an vorherbestimmt

Faktoren aus frühester Kindheit beeinflussen das Risiko, dass sich ein Mensch im Laufe seines Lebens umbringt. Schwedische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ein niedriges Geburtsgewicht oder eine Mutter im Teenager-Alter die Suizidrate deutlich erhöhen. [Weiter]


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Mittwoch, 22. September 2004


Selbstmord mit 10 Fingern

Ich habe mal etwas in Archiven gekramt und ältere Artikel gefunden, z.B.: Über den schleichenden Selbstmord in den reichen Ländern durch Freßsucht und Überernährung. Selbstmord mit Messer und Gabel... [Weiter]


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No future im Paradies

Neuseeland macht uns angeblich vor, wie man den Sozialstaat reformiert. Und hat heute die höchste Selbstmordrate unter Jugendlichen der westlichen Welt. [Weiter]


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Gefährliche Gedanken

Medikamente gegen Depressionen können Selbstmordgedanken und -handlungen auslösen. Doch die Verunsicherung der Ärzte und Patienten birgt größere Gefahren. [Weiter]


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Montag, 13. September 2004


Lieber tot als ins Heim

Das Horror-Klische alter Menschen in Pflegeheimen schaut oft ähnlich aus: Verwahrlost, allein, abgefüttert. Eine neue Studie der Berliner Universitätsklinik Charité sorgt nun für erheblichen Wirbel. Etliche alte Menschen scheinen lieber den Tod zu suchen als ins Heim zu gehen. Viele pflegebedürftige Ältere in Deutschland haben so sehr Angst vor schlechter Behandlung, dass sie lieber Suizid begehen, als in ein Heim eingewiesen zu werden. "Sie hatten befürchtet, entmündigt und entrechtet zu werden", sagte Studienleiter Peter Klostermann vom Institut für Rechtsmedizin der Charité am Montag. In vielen der untersuchten 130 Fälle von Selbsttötungen hätten die 65- bis 95-Jährigen in Abschiedsbriefen direkt oder indirekt angegeben, Angst vor der Heimeinweisung gehabt zu haben. [Weiter]


Sonntag, 12. September 2004


Suizid in Deutschland

Die Süddeutsche Zeitung: "Alle 47 Minuten ein Selbstmord" - jeder ein individuelles Drama.


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Sonntag, 5. September 2004


Markus Werner: Festland

Fest steht: die Mutter hat dich geliebt, abgöttisch, das ist der Grund, warum wir zweifeln müssen an ihrer Absicht zu sterben, sie wollte es vielleicht ein wenig tun, ein Stück weit tun, wie jemand, der sich aus dem Fenster des zwölften Stockes lehnt, sich fallen läßt im Geist, das Gleichgewicht verliert und wirklich fällt, verstehst du, das ist kein eigentlicher Freitod, das ist der Sog der Möglichkeiten. (Markus Werner: Festland, S. 85)


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Geklaut beim Salbader
Geklaut beim Salbader

Hinweis in eigener Sache
Das Weblog Freitod definiert schon mit seinem Namen das Thema, das es enthält: Aspekte des Suizids sollen in gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht erörtert werden. Freitod ist ein kollaboratives Weblog, das allen registrierten Antville-Usern ermöglicht, sich zu beteiligen, indem sie entweder Einträge verfassen oder Kommentare zu den Einträgen schreiben können. Abgrenzend sei gesagt, dass nicht um Sinn und Daseinsberechtigung des Freitodes diskutiert werden soll und dass es sich auch nicht um ein Selbshilfeforum für Gefährdete oder betroffene Angehörigen handelt.

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