Freitod - Weblog zum Selbstmord
[mit unsäglich origineller GIF-Animation]
 
Montag, 15. November 2004


Eisenbahnsuizide

Bahnsuizide sind unvorstellbar grausame Geschehen, die über die Betroffenen und Ihre Hinterbliebenen hinaus Lokführer und Bahnpersonal traumatisieren. Während in Deutschland die allgemeine Selbstmordrate in den neuen Bundesländern höher liegt, ist die Zahl der Bahnsuizide in Westdeutschland größer als in Ostdeutschland. [Mehr]


Samstag, 13. November 2004


Das Selbstmorddorf in Japan

Der Küstenort Tojinbo hat in Japan traurige Berühmtheit erlangt. Dort gibt es jedes Jahr bis zu 90 Selbstmorde. Der pensionierte Polizist Yukio Shige geht jeden Abend in den Klippen auf Patrouille und versucht Menschen vom Sprung abzuhalten. 46 Mal ist ihm das in diesem Jahr schon gelungen. Insgesamt brachten sich in Japan im letzten Jahr mehr als 34.400 Menschen um - so viele wie in keinem anderen Industrieland. Er steht an der letzten Verteidigungslinie des Lebens. So nennt Yukio Shige selbst die steilen Klippen von Tojinbo. Bis zu 90 Menschen im Jahr versuchen sich hier durch einen Sturz in die Tiefe umzubringen, weil sie depressiv sind, arbeitslos oder aus anderen Gründen verzweifelt. Etwa 30 sterben dabei, die anderen überleben oft schwer verletzt. [Weiter]


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Freitag, 12. November 2004


Suizid bei kanadischen Landwirten

Gestern Abend kam auf Radio Canada, dem hiesigen staatlichen Fernsehsender, ein Beitrag über die Farmer in Québec. Es ging um ein dunkles Thema, das noch zu oft totgeschwiegen wird: der Suizid bei Landwirten. Wenig, was darin erzählt wurde, war wirklich neu für uns. Doch wer hätte gedacht, das die Suizidrate bei den Männern, die einen Landwirtschaftsbetrieb führen, höher ist als der Durchschnitt der übrigen Berufsgruppen.
(... mehr ...)
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Sonntag, 7. November 2004


Bernhard, Alte Meister

Wir wollen gar nicht mehr weiterleben, wenn wir den uns am nächsten stehenden Menschen verloren haben, so er damals im Ambassador, aber wir müssen weiterleben, wir bringen uns nicht um, weil wir zu feig dazu sind, wir versprechen noch am offenen Grab, daß wir bald nachfolgen werden und dann leben wir ein halbes Jahr später noch immer und es graust uns vor uns selbst. (Thomas Bernhard: Alte Meister, S. 247)


Donnerstag, 4. November 2004


Green, Treibgut

Eine Zuflucht stand ihm offen. Nur der Übergang vom Leben zum Tod schien ihm schwierig. Er versuchte sich den Seelenzustand eines Menschen vorzustellen, der mutig genug wäre, bei diesem Nebel in den eiskalten Fluß zu springen und dann einige Minuten der gräßlichsten Erstickungskämpfe auf sich zu nehmen. Doch wenn die Grenze einmal überschritten ware, begann die glückselige Nacht der Auflösung. Er seufzte. Ein Gefühl des Heimwehs packte ihn beim Gedanken an diesen lichtlosen Horizont, und einen Augenblick träumte er davon, eine Hand in der Tasche, den Stock nachdenklich aufgestützt. Sein Leben war verfehlt; was er dem seinen vorzuwerfen hatte, war der Mangel an gründlichem Ernst. Obwohl er immer bedauerte, nicht bedeutend zu sein, obwohl er Geschmack an allem Schönen fand, lebte er häßlich, auf eine langweilige und zugleich frivole Art. (Julien Green: Treibgut, S. 268)


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Selbstmord auf der A70

Am Freitag, den 29.10.2004 gegen 0 Uhr ereignete sich auf der Autobahn A70 bei Eltmann (Unterfranken) ein tragischer Selbstmord. Ein 15-jähriges Mädchen sprang von einer Brücke auf die Autobahn und wurde von mehreren Fahrzeugen überrollt. Von der Rettungsleitstelle Schweinfurt des Bayrischen Roten Kreuzes (BRK) wurden neben Notarzt und Rettungswagen auch Notfallseelsorger für die Insassen der beteiligten Fahrzeuge entsandt. Die A70 war in Fahrtrichtung Schweinfurt für längere Zeit gesperrt.

Ich bin bereits mehrmals an der vermuteten Stelle vorbei gefahren, konnte jedoch nichts sehen. Weder Blumen noch sonstetwas Auffälliges. Seltsam, eigentlich kommt dort nur eine einzige Brücke in Frage. Und dort ist sogar nachts soviel Verkehr daß dort eigentlich niemand unbemerkt springen kann. Gerade an einem Wochenende. Wollte man vielleicht nichts sehen ?

Ich kannte das Mädchen zwar nicht aber mir geht sowas recht nahe, vor Allem wenn es in meiner Nähe passiert. Ich hatte selbst schon mit oft mit Suizidgedanken zu kämpfen und frage mich was in ihr vor ging. Auch wenn diese Gedanken irrational sind, wünsche ich mir ich hätte sie kennengelernt.


Mittwoch, 3. November 2004


Selbstverbrennung

Er hat die wohl schmerzhafteste Form des Freitodes gewählt: In der Nacht zu Dienstag verbrannte sich der 44 Jahre alte Hans-Carl M. in Prenzlauer Berg. Kurz nach 3 Uhr hatte ein Anwohner in einem Hof an der Schwedter Straße einen brennenden Müllcontainer bemerkt und die Feuerwehr gerufen. Diese entdeckte nach den Löscharbeiten M.'s Leichnam. "Wir gehen nicht von Fremdeinwirkungen aus", sagt Polizeisprecher Bernhard Schodrowski. Eine Obduktion sei bei Brandtoten Routine. Freunde des Toten berichten, M. habe unter Depressionen gelitten. Er soll sich mit seiner Lebensgefährtin gestritten und den Selbstmord angekündigt haben. Seine Nachbarn sind schockiert. "Er wirkte immer locker-flockig, hippiemäßig", sagt Andrea Korte. [Mehr]


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Dienstag, 2. November 2004


"Schulden trieben sie in den Selbstmord"

ZDF.de - Badenia plakativ:

"Über 8000 Kunden der Bausparkasse Badenia fielen auf Schrottimmobilien und ein windiges Finanzierungskonzept herein. Vor allem Geringverdiener hofften, sich eine sorgenfreie Zukunft mit einer Immobilie zu schaffen. Stattdessen sind die Schulden erdrückend. Für Anja Schüller war der Druck zu hoch: Sie beging Selbstmord."


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Montag, 1. November 2004


Selbstmord aus Freude am Leben?

Vor kurzem hat sich ein lieber Freund von mir erhängt. Er war 20. Liebe Freundin, toller neuer Job, keine finanziellen Mängel oder Mängel sonstiger Art. Hat mir gegenüber einmal erwähnt er würde sich umbringen, wenn er keine Freundin fände (er war damals 16). Kann mir jemand helfen zu verstehen, was da passiert ist. Ich kann es einfach nicht fassen.



Weniger drin, weniger dran

Seit frei zugängliche Schmerzmittel in Großbritannien in kleineren Packungen verkauft werden müssen, ist die Zahl der Selbstmorde durch solche Medikamente dort um fast ein Viertel gesunken. Nach einer im "British Medical Journal" veröffentlichten Studie gab es seit einer entsprechenden Gesetzesänderung vor sechs Jahren deutlich weniger Fälle von Überdosen. Dadurch sei auch die Zahl der Lebervergiftungen und der dadurch notwendigen Lebertransplantationen um rund 30 Prozent gefallen, berichtete das Fachblatt am Freitag in London. 1998 hatte die britische Regierung ein Gesetz erlassen, das den Verkauf von Schmerzmitteln einschränkte. So darf ein Händler solche Medikamente nur noch in begrenzten Mengen pro Kunde verkaufen. Zwar könne das Gesetz suizidgefährdete Menschen nicht davon abhalten, sich größere Mengen Schmerzmittel bei verschiedenen Händlern zu beschaffen. Häufig würden Überdosen aber spontan eingenommen, und Patienten griffen zu Tabletten, die sie ohnehin zu Hause hätten, heißt es in dem Bericht. Solche Selbsttötungsversuche könnten durch die kleineren Packungsgrößen zum Teil verhindert werden. [X]


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Montag, 25. Oktober 2004


warum grosskalibrige waffen vorzuziehen sind...

Nach dem missglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde die Widerstandsgruppe um Ludwig Beck im Bendlerblock in Berlin gefangengenommen. Ihm selbst wurde die Gelegenheit zur Selbsttötung gegeben. Nachdem zwei Versuche scheiterten, wurde er von einem Feldwebel der Wehrmacht erschossen. (gefunden in einem "Suizid-, Freitod- und Selbstmord-Forum", Text von Wikipedia).


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Samstag, 23. Oktober 2004


Ablenkung und Aufhellung

Valéry erzählte mir, was ihm als jungem Mann in London zugestoßen war. Es regnete jeden Tag. Er war allein und elend in seiner schäbigen Bude und wie er andeutete, sehr arm. Eines Tages entschloß er sich, Selbstmord zu begehen, aber als er den Schrank öffnete, um seinen Revolver herauszunehmen, fiel ein Buch zu Boden, er hob es auf, setzte sich hin und las. Der Autor hieß Scholl, an den Titel konnte er sich nicht mehr erinnern. Es war ein humoristisches Buch, er las es durch und unterhielt sich dabei so gut, daß ihm jede Lust an Selbstmord vergangen war, als er es beendet hatte. Wie schade, daß Valéry sich nicht an den Titel erinnern konnte! Es gelang mir nicht einmal, den Namen Scholl in irgendeinem Katalog aufzustöbern. (Sylvia Beach: Shakespeare and Company. Ein Buchladen in Paris, Suhrkamp, S. 178)


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Montag, 18. Oktober 2004


Sublimierung

Vermutlich sind Schriftsteller potentielle Selbstmörder, die sich ins Wort retten, um überleben zu können. (Luise Rinser: Den Wolf umarmen, S. 241)


 

Geklaut beim Salbader
Geklaut beim Salbader

Hinweis in eigener Sache
Das Weblog Freitod definiert schon mit seinem Namen das Thema, das es enthält: Aspekte des Suizids sollen in gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht erörtert werden. Freitod ist ein kollaboratives Weblog, das allen registrierten Antville-Usern ermöglicht, sich zu beteiligen, indem sie entweder Einträge verfassen oder Kommentare zu den Einträgen schreiben können. Abgrenzend sei gesagt, dass nicht um Sinn und Daseinsberechtigung des Freitodes diskutiert werden soll und dass es sich auch nicht um ein Selbshilfeforum für Gefährdete oder betroffene Angehörigen handelt.

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