Freitod - Weblog zum Selbstmord
[mit unsäglich origineller GIF-Animation]
 
Samstag, 22. November 2014


Ein schwarzer Hund als Depressionssymbol

"Mein schwarzer Hund - wie ich meine Depression an die Leine legte" (Rezension für die FAZ, Eberhard Rathgeb (2008) und "Mit dem schwarzen Hund leben" (hier die illustrative Brigitte-Werbung) sind zwei Bildergeschichten, mit denen der Autor und Illustrator Matthew Johnstone aus der Not eine Tugend machte, nämlich sein Leben mit Depressionen allgemeinverständlich für selbst Betroffene wie Angehörige in Bilder fasst (und damit vermutlich zugleich inzwischen seinen Lebensunterhalt sichert). Sie geben eine erste Beschreibung der Krankheit, in der sich Betroffene regelmäßig unmittelbar wiederfinden, und im zweiten Büchlein auch für Angehörige ihr Leben mit der fremden "Depression" spürbar und (be-)greifbar wird. Mehr ist es nicht, aber auch nicht weniger.

Der erste Band ist nun als Filmchen gepackt auf dem Youtube-Kanal von Freunde fürs Leben zu sehen:


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Freitag, 21. November 2014


"Ein geglückter Selbstmordversuch"

ist ein Oxymoron, das mir nach der Diskussion mit Viktor Staudt durch den Kopf geschossen ist.


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Donnerstag, 20. November 2014


The Eerie Poetry of Chinese Suicide Victims /

Bewegende Abschieds-Lyrik chinesischer Suizidenten:

"Recently there have been some high-profile cases of suicidal people in China leaving behind poems in place of suicide notes. Some of the poetry has that "my-life-is-a-vortex-of-sorrow" quality you'd expect from someone in the throes of psychic agony, but some is downright literary...", f.e.

" A screw fell to the ground ​ In this dark night of overtime​ ​ Plunging vertically, lightly clinking ​ ​It won't attract anyone's attention ​ ​Just like last time ​ On a night like this ​ ​When someone plunged to the ground."


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Mittwoch, 19. November 2014


"Das Ende der Geduld" - Kirsten Heisig

Ein Film, angelehnt an das Schicksal von Kirsten Heisig, mit Martina Gedeck als Jugendrichterin Kleist:

"Gleich zu Beginn eine Szene, die Charakter und Antrieb der Richterin plausibel machen soll. Kleist liest einer jungen Punkerin mit mütterlicher Strenge die Leviten, das Mädchen bedankt sich mit einem selbst geschriebenen Gedicht - und stürzt sich aus dem Fenster..."

Viele Dramen in einem Leben - über eine Frau, die bisweilen gerne auf "Berliner Jugendrichterin" reduziert wurde (Der Tagesspiegel, Berlin), ein Interview darüber mit Martina Gedeck und mehr.


Dienstag, 18. November 2014


Sprengung

"Vor den Augen von Polizisten hat sich ein Familienvater in seinem Auto in die Luft gesprengt und getötet. Sieben Menschen wurden bei der Explosion am Sonntag im hessischen Homberg (Ohm) nahe Marburg leicht verletzt, darunter zwei Polizisten. „Von dem explodierten Auto ist nichts mehr da. Der Motorblock flog 30 Meter weit“, sagte Polizeisprecher Wolfgang Keller" - eine Selbsttötung, die nicht nur die Familie des Suizidenten außerordentlich belasten dürfte.

Zuhause ist übrigens - unabhängig hiervon - statistisch gesehen der gefährlichste Ort, Opfer eines Kapitalverbrechens zu werden (und das wohl nicht nur für Frauen und Kinder).


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Montag, 17. November 2014


Tukur - Das venezianische Bild

"... als Clara vierzig wurde, stand Carl vor der Türe des Cannstatter Hauses. Er war von einer langen Reise zurückgekehrt, die ihn nach Venedig, Paris, London und Antwerpern geführt hatte, und schenkte ihr zum Geburtstag ein kleines Gemälde, das ein Jahr zuvor in Venedig entstanden war. Es ist ein Nachtbild in biedermeierlicher Manier und zeigt einen elegant gekleideten Herrn im Gehrock und Zylinder, der auf dem Scheitelpunkt einer kleinen Brücke steht und in emphatischer Geste den Mond begrüßt. Mit einem Spazierstock in der Rechten, einem Blumenstrauß in der Linken, einer Nelke am Revers und einer Halsschleife über dem seidenen Gilet bannt ihn Carl in den Lichtstrahl des Trabanten, während die Häuser und Palazzi wie schwarze, aus den Tiefen emporgestiegene Ungeheuer an der Wasseroberfläche des Hintergrundes schlafen. Schaut man näher hin, so entdeckt man im Kanal unter der Brücke dahintreibende Gegenstände: einen Gehrock, einen Spazierstock, einen Blumenstrauß, eine blaue Halsschleife, eine Nelke, einen Zylinder... Welch fabelhafter Einfall! Carl stellt die Zeit und ihr Vergehen räumlich dar, indem er zwei Bilder in einem malt, zwei zeitlich voneinander abgesetzte Ebenen übereinanderlegt und so von einer Selbstausslöschung erzählt, die als unsichtbare Bewegung dazwischenliegt.

Clara hat das Wiedersehen tief erschüttert; unter Tränen fleht sie ihn an, wenigstens bis zum nächsten Morgen zu bleiben, doch er lehnt ab und besteigt noch selbigen Tags die Postkutsche nach München. Er wird sie nie wiedersehen, denn eine Wpche später wirft sich Clara von der Wilhelmsbrücke in den Neckar und ertrinkt."

Ulrich Tukur, Die Seerose im Speisesaal, Venezianische Geschichten, S.71 f., List-Verlag 2008.

Das Bild war danach Auslöser des Songs "Vecchio Frack" von Domenico Modugno:

hier der Text mit einer rudimentären, aber gleichwohl noch verständlichen Übersetzung.

Ulrich Tukur hat ihn übrigens auch selbst eingespielt, und zwar hier auf der CD "Mezzanotte".


Sonntag, 16. November 2014


"Einfach Schwimmen haben sie gesagt" (5)

Blog, Leben in einer psychiatrischen Klinik, in Literatur gegossen.

Fünftes Kapitel - "Kooperation":

"Es waren gerade mal ein paar Stunden vergangen, seit ich bewusst hier war, doch es fühlte sich an, als wäre es schon eine Ewigkeit lang so. Ich hatte keine Ahnung, wie lang ich hier bleiben würde, noch was ich hier in der nächsten Zeit anfangen sollte. Die Zukunft, über die ich mir immer so sehr den Kopf zerbrochen hatte, schien nicht mehr vorhanden zu sein oder jedenfalls nicht problematisch. So als wäre man gerade eingeschult worden und wusste, welches Gerüst für die nächsten Jahre den Rahmen der eigenen Existenz bilden würde. Man hörte einfach auf, seinen Sinn zu hinterfragen."

-> zuvor.


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Samstag, 15. November 2014


Organisierte Sterbehilfe im Jahr 1993

Zweifelhafter Graubereich - mit prominenten Fürsprechern - eine Geschichte, die auch heute noch nachdenklich machen sollte.

Inge Meysel (die sich übrigens offenbar nicht selbst getötet hat) war in ihrer Auffassung sicherlich genauso allein von lauteren Motiven getragen wie Udo Reiter oder wie es andere prominente Fürsprecher regelmäßig sind.

Letztlich ist es aber eine höchstpersönliche Frage, die jeweils an ein individuelles Schicksal anknüpft, bei dem auch noch das psychische Leiden weder verobjektivierbar noch zeitlich konstant ist. Deshalb liegt die Problematik einer Regelung gerade in einer abstrakten Verallgemeinerung durch Gesetz an sich.


Freitag, 14. November 2014


Suizid (Kurzfilm, 2010)

Ein Anstoß, dem Lauf nicht seinen Lauf zu lassen.

Aus dem Youtube-Kanal von Freunde fürs Leben stammt dieser Film, der das Projekt einer kleinen Gruppe von Studenten der Rheinischen Fachhochschule in Köln war und im Rahmen einer Semesterarbeit entstanden ist.


Donnerstag, 13. November 2014


Angstbewältigung einmal anders:

"Und wenn es ganz schlimm wird, dann denke ich: Da läuft etwas in dir ab, was absolut physisch ist - und du lässt dich davon so fertigmachen. Das ist eigentlich meine beste Hilfe..."

Herbert Feuerstein im Interview mit Stefan Kuzmany für Spiegel-online.de.


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Mittwoch, 12. November 2014


Simone Battle (25)

Vorschneller Kurzschluss der Sängerin von G.R.L.


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Dienstag, 11. November 2014


Selbsttötungsvorsatz als Momentaufnahme

"Eine Fülle von Beobachtungen belegen die Tatsache, dass Suizidenten in hohem Maße ambivalent sind. Es gibt suizidale Phasen, die manchmal lange anhalten. Dann sind die Betroffenen vulnerabel. Das gilt auch im Angesicht fortgeschrittener unheilbarer Erkrankung.

Die instabile, Schwankungen unterworfene Situation ist in der Tat ein starkes Argument, um die organisierte Hilfe beim Suizid zu unterbinden, gleich ob das Angebot von Laien oder Ärzten unterbreitet wird.

Es geht [dabei] nicht um eine Bewertung des Suizids als solchem. Wohl aber um ein Veto gegen seine organisierte Förderung. Die gebotene Urteilsenthaltung setzt eine Rhetorik ins Unrecht, die die Assistenz beim Suizid als überfällige Befreiung aus selbstverschuldeter Unmündigkeit rechtfertigen möchte."

Stephan Sahm für faz.net.

Das deckt sich mit der Erkenntnis, dass sich akute Suizidversuche, -taten oder manchmal auch schon -gedanken offenbar häufig bereits dann und dadurch unterbrechen lassen, wenn es gelingt Betroffene in diesen Augenblicken anzusprechen, sie also durch Kommunikation mit einem Außenstehenden und neue Gedanken buchstäblich "abgelenkt" werden können. Die Ausweglosigkeit erscheint im Augenblick des Vollzugs und seiner Vorbereitung offensichtlich als innere "Tatsache" - relativiert sich aber unter Umständen (wieder), wenn es gelingt, eine Situation von einem anderen Standpunkt, am besten einmal gänzlich "neu" oder "von außen" zu betrachten.


Montag, 10. November 2014


"Einfach Schwimmen haben sie gesagt" (4)

Blog, Leben in einer psychiatrischen Klinik, in Literatur gegossen.

Viertes Kapitel - "Gitter":

"Ich hatte es schon immer bewundert. Dieses Stoische, mit der Menschen einfach das machten, was es zu machen gab. Das, was sie davon abhielt, sich bei jeder Bewegung zu fragen, warum sie sie taten und was passieren würde, wenn sie jetzt einfach damit aufhörten. Ich bewunderte Menschen, die wussten, was sie wollten und dann alles nach Plan abarbeiteten, bis ihnen jemand erlaubte, sich auszuruhen, bis jemand sagte, es sei genug jetzt. Ich bewunderte es, sich einfach zu entscheiden und Entscheidungen anzunehmen. Und ich wünschte es mir für mich selbst, so wie ich mich davor fürchtete."

-> zuvor.


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Geklaut beim Salbader
Geklaut beim Salbader

Hinweis in eigener Sache
Das Weblog Freitod definiert schon mit seinem Namen das Thema, das es enthält: Aspekte des Suizids sollen in gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht erörtert werden. Freitod ist ein kollaboratives Weblog, das allen registrierten Antville-Usern ermöglicht, sich zu beteiligen, indem sie entweder Einträge verfassen oder Kommentare zu den Einträgen schreiben können. Abgrenzend sei gesagt, dass nicht um Sinn und Daseinsberechtigung des Freitodes diskutiert werden soll und dass es sich auch nicht um ein Selbshilfeforum für Gefährdete oder betroffene Angehörigen handelt.

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