Freitod - Weblog zum Selbstmord
[mit unsäglich origineller GIF-Animation]
 


"Das Leid der Anderen"

"Die starke Schulter, der Fels in der Brandung: Von Angehörigen psychisch Kranker wird erwartet, dass sie stark sind und helfen. Dabei bräuchten sie selbst dringend Hilfe.

"Wir dachten, mit Liebe geht das." Dieser Satz, den Robert Enkes Frau nach dem Suizid ihres Mannes im November 2011 öffentlich aussprach, sagt eigentlich alles darüber, was es heißt, mit einem psychisch kranken Menschen zusammen zu sein. Das Gefühl, nicht helfen zu können, und am Ende mit der eigenen Liebe nicht stärker zu sein als die Dämonen einer Krankheit, ist vielleicht das Schlimmste daran. Es ist dieses Ausgeliefertsein, was auch erklärt, warum so viele Angehörige psychisch Kranker an – fast immer unberechtigten – Schuldgefühlen leiden. Auf Dauer kann das die Angehörigen sogar selbst psychisch krank machen."

Julia Völker und Dagny Lüdemann für Zeit-online.de.


 

Aber was da fehlt ist das schöne Wort 'Symptomträger'. Man wird ja nicht aus heiterem Himmel psychisch krank.

Auch wenn man die eine Ursache nicht kennt und von vielen verschiedenen ausgeht - alleine schuld ist der psychisch Kranke auch nicht.

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Ich frage mich, ob die "Schuldfrage" - auch wenn Sie in diesem Zusammenhang immer gestellt wird - überhaupt Sinn macht (und letztlich nicht sogar kontraproduktiv ist), denn meistens sind die Zusammenhänge so komplex, dass man die zugrundeliegenden Systeme kaum verstehen, geschweige denn auflösen könnte.

Besser wäre es wahrscheinlich, wenn man erst einmal nur auf die Kausalitätsfrage sehen würde: Was verursacht was - bzw. umgekehrt, wie kann was verhindert werden? Und damit zunächst einmal keine Wertung zu verbinden.

Sie verstehen unter "Symptomträger" den erkennbar Suizidgefährdeten?

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darunter verstehe ich den psychisch Kranken allgemein. Der in dem Artikel so dargestellt würde, als wäre er bloß eine Aufgabe und überhaupt keine Bereicherung. Als wäre er allein schuld, dass der 'Gesunde' sich um ihn kümmern muß, und nur durch dieses Kümmern lebensfähig. Da sehe ich die Gesellschaft in der Pflicht! Gescheite Arbeitsplätze, fordern und fördern, und man kann relativ 'normal' leben, ohne wen Anderen das letzte psychische Hemd zu kosten...

und ja die Schuldfrage, das ist natürlich sehr problematisch. Aber in dem Artikel schwang (für mich) so ein Vorwurf mit - zwischen den Zeilen nur - sich besser nicht auf eine Beziehung mit einem psychisch Kranken einzulassen, da das einen selbst krank machen kann. Das hat mich betroffen gemacht. Weil wie oft sind es die 'Normalos', die der Welt Schaden zufügen, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich sehe psychisch Kranke als die Schwachen am andere Ende der Skala der Psychopathen. Während letztere stark sind, weil gefühllos, kommen erstere unter die Räder des Systems. Das die Ellenbogen bevorzugt. Dabei glaube ich felsenfest, dass es die Schwachen auch braucht! Damit das Ganze am laufen bleibt. Und in Systemen der Familie sind halt oft die Kinder die Schwachen, an denen all das abgearbeitet wird, was im eigenen Leben nicht klappt. Die werden dann psychisch krank und gemieden, weil sie ja 'Energie absaugen'. Die Einsamkeit und die Ablehnung führen zum Suizid.

In Wahrheit ist es aber gar nicht ihr Vergehen! Die Schuld liegt Generationen zurück, womöglich, da gibt es kein Entkommen. Das zu entwirren ist unmöglich, wie sie sagen. Das einzige was helfen würde, wäre zu erkennen, dass in jedem Menschen beides vorhanden ist: gesunde und kranke Anteile. Und das Ende der Ausgrenzung. Das wäre wunderbar. Aber daran haben wenige Interesse.

Auch wichtig: eine lebenswerte Umwelt zu gestalten. Aber die Masse läuft gerade in die entgegengesetzte Richtung. Ich sehe nur mehr aus dem Ei gepellte junge Leute! Also nichts gegen Ordnung, aber das ist so offensichtlich niegelnagelneues Gewand, das haben sie vermutlich nur einmal an und dann weg damit. Sicher - optische Exzellenz verschafft Macht. Aber deswegen ist mir das unheimlich. Und all das auf Kosten von irgendwem, der in der '3. Welt' schuftet. Das ist absurd. Ich verstehe das nicht, ich will das nicht, ich finde das falsch. Wenn ich das sage rennen alle weg. Damit will sich keiner konfrontieren. Sie fühlen sich tolerant, aber das hört an der eigenen Nasenspitze auf.

Viel zu lang meine Antwort, aber das ist ein schwieriges Thema, das mich selbst betrifft und über das ich auch nachdenken will.

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wer mit sich selbst im reinen ist
der hat die kraft dazu
doch wer ist das schon...

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die "hauptschuld" trägt die
"schuld" die einem
immer und überall eingeredet wird
dem menschen äussere vergewaltiger
religion politik wirtschaft mode etc...
die menschen einreden defizitär zu sein
ihn von kind an existenziell verunsichern
so dass kein echtes belastbares selbst entsteht
sich selbst "normal" fremde
sind da ihnen ein kern fehlt
keinen belastungen gewachsen
in einer entfremdeten welt
die keinen halt zu bieten vermag
neurotische gesellschaft
die von psychopathen formiert wird
da passiert sowas schnell
dass ein mensch
der sich der belastung nicht gewachsen sieht
einen fallenden zu halten
weil er selber erst in dem moment merkt
dass er selbst keinen halt hat
dass die sogenannten dämonen
ganz vernünftige philosophische fragen sind
die man nicht beantworten kann
und das eigene liebeskonzept auf sand gebaut ist
die vermeintlich "kranken" sind die eigentlich gesunden
eine existenzielle krise
als krankheit zu bezeichnen
ist unsäglich krank
ausgeliefert sind wir alle
was wir kulturell verdrängen
unsere "zivilisation" ist reinste barbarei
und eine seele die da keinen konflikt kriegt
also ein ganz normaler deutscher zombie
kann nicht verkraften
dass der suizidkandidat fragen aufwirft
die wir uns alle hätten stellen sollen
der verdrängte gedanke ans nichtsein
ist gleichwertig dem blinden scheinsein
wir sollten unseren suizidenten danken
sie stellen uns die fragen
auf die zu antworten wir nicht nur versäumen
dieser jahrtausendealte "forschungsstand"
hat sich noch nicht durch unsere verblödung gefressen
dafür wirds langsam zeit
denn in der heilen welt weihnachtlicher verkitschung
dem jahressuizidpeak
werden sich wieder viele umbringen
die dieses tote sein nicht mehr ertragen
der tod ist eine erlösung vom zombismus
und menschen trifft man nur noch selten
da ist die kausalität
und die "krankheit" der ver zweifelnden
ist wie der zweifel des philosophen
das was mehr zählt
als unser übliches geschwurbel
da stehen menschen im raum
die lebendige fragen sind
wenden wir uns ihnen zu
das wär mal n anfang...

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Interessante Aspekte.

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Geklaut beim Salbader
Geklaut beim Salbader

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