Freitod - Weblog zum Selbstmord
[mit unsäglich origineller GIF-Animation]
 


"Zeugin Jehovas verblutet bei Entbindung"

"Die behandelnden Ärzte seien verpflichtet gewesen, den Willen der 32-jährigen Patientin zu respektieren," erklärte Obermeier.
"Andernfalls hätten sich die Mediziner der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht."
Warum das hierhin gehört? Erstens, weil es sich um eine Form von Freitod im weiteren Sinne handelt; nicht im Sinne von Selbstmord, sondern durch die freie Entscheidung, einen leicht abwendbaren Tod aus weltanschaulichen Gründen in Kauf zu nehmen. Zweitens, weil es die Frage aufwirft, warum einem Menschen, der seinen Tod bewußt herbeiführt, nicht das gleiche Recht auf Nichtintervention zugestanden wird. Wie hätten sich die Ärzte verhalten (müssen), wenn es sich um eine selbst zugefügte Verletzung gehandelt hätte, die zur Verblutung geführt hätte? Wo ist der Unterschied?

NEU: jetzt mit Kommentaren.


 

"Zweitens, weil es die Frage aufwirft, warum einem Menschen, der seinen Tod bewußt herbeiführt, nicht das gleiche Recht auf Nichtintervention zugestanden wird."

DAS ist echt mal eine gute frage...

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Absicht

Es ist die Absicht die zählt...
Der Normenkatalog unserer christlich-abendländischen Gesellschaft erlaubt es, sein Leben leichtfertig aufs Spiel zu setzen, solange dahinter keine Absicht zu sterben steht. Das Ablehnen einer lebenserhaltenden Behandlung, ebenso wie Alkohol- oder Tabakmißbrauch, die Verpflichtung als Soldat oder extremes Bergsteigen sind Verhaltensweisen, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit tödlich sind, ohne daß die Gesellschaft es für richtig hält, hier einzuschreiten, eben weil hier keine Todesabsicht angenommen wird. Wenn "der liebe Gott" (je nach Weltanschauung zu ersetzen durch "die Natur", das Schicksal o. ä.) den Tod eines Menschen "will", dann gestattet man ihm diesen, wenn auch widerwillig, denn das ist ja der natürliche Lauf der Dinge. Man möchte sich nicht mit dem Problem des Todes auseinandersetzen, obwohl es uns alle früher oder später betreffen wird. Nun kommt der Selbstmörder daher und zerstört diese reflexionslose Idylle, stellt die Norm des unbedingten Lebens in Frage, lehnt das ab, was als heilig betrachtet wird. Zusätzlich zur Trauer über den plötzlichen Verlust eines Menschen kommt die Frage nach dem Warum, die Fassungslosigkeit, daß jemand sich so radikal über das "gottgegebene" Wertegefüge hinweggesetzt hat und man ihn noch nicht einmal dafür belangen kann. Wann haben dieselben Leute einmal nach dem Warum des Lebens gefragt, warum soll ein Mensch ein Leben leben, das ihm nicht gefällt? Warum soll er nicht selbst darüber verfügen? Die Beschäftigung mit solchen Fragen wird in unserem Kulturkreis nach Möglichkeit vermieden, sie sind unangenehm und erfordern einen freien Geist, der nicht bei jeder Berührung an einer empfindlichen Stelle schmerzhaft zusammenzuckt; man überläßt das lieber Fachleuten, den Philosophen, weil uns deren Ansichten in den Medien sowieso nicht erreichen, oder neuerdings bevorzugt den Medizinern, die uns sagen, sie könnten solche Normabweichungen korrigieren.
Die zugrunde liegenden Normen sind in verschiedenen Kulturen und Zeiten sehr unterschiedlich (gewesen). Dies zu erkennen und zu akzeptieren würde unsere Gesellschaft wohl überfordern.
</glosse>
Siehe auch meine folgenden Beiträge.

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Geklaut beim Salbader
Geklaut beim Salbader

Hinweis in eigener Sache
Das Weblog Freitod definiert schon mit seinem Namen das Thema, das es enthält: Aspekte des Suizids sollen in gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht erörtert werden. Freitod ist ein kollaboratives Weblog, das allen registrierten Antville-Usern ermöglicht, sich zu beteiligen, indem sie entweder Einträge verfassen oder Kommentare zu den Einträgen schreiben können. Abgrenzend sei gesagt, dass nicht um Sinn und Daseinsberechtigung des Freitodes diskutiert werden soll und dass es sich auch nicht um ein Selbshilfeforum für Gefährdete oder betroffene Angehörigen handelt.

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