Freitod - Weblog zum Selbstmord
[mit unsäglich origineller GIF-Animation]
 
Mittwoch, 21. September 2016


Remarque, Die Nacht von Lissabon (2)

"Die Möglichkeit zum Selbstmord ist eine Gnade, deren man sich nur selten bewußt wird. Sie gibt einem die Illusion des freien Willens. Und wahrscheinlich begehen wir mehr Selbstmorde, als wir jemals ahnen. Wir wissen es nur nicht." "Das ist es!" sagte Schwarz lebhaft. "Wenn wir sie nur als Selbstmorde erkennen würden! Dann hätten wir die Fähigkeit, auch wieder von den Toten aufzuerstehen. Wir könnten mehrere Leben leben, anstatt die Geschwüre der Erfahrung von einer Krise zur anderen weiterzuschleppen und schließlich daran einzugehen." (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)


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Remarque, Die Nacht von Lissabon (1)

... die Zeit vor dem Münchner Pakt. Die Agonie der Angst. Ich versteckte und verteidigte mich zwar noch automatisch, aber ich hatte abgeschlossen. Es würde Krieg geben, und die Deutschen würden kommen und mich holen. Das war mein Schicksal. (...) "Es war die Zeit der Selbstmorde. Sonderbar, als die Deutschen eineinhalb Jahre später wirklich kamen, waren die Selbstmorde seltener." (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)


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Dienstag, 20. September 2016


Lucia Berlin, Stories

Die Abschiedsbriefe, die sie in all den Jahren schrieb, immer an mich, waren meistens Witze. Als sie sich die Pulsadern aufschnitt, unterschrieb sie mit Bloody Mary. Nach einer Überdosis schrieb sie, sie hätte es ja mit einem Strick versucht, aber den Dreh nicht rausbekommen. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)


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Donnerstag, 15. September 2016


Berlin, Lucia: Stories (1)

Trinker und Selbstmörder beschlagnahmen stundenlang dringend benötigte Räume und Schwestern. (...) Trinker sind immer allein. Selbstmörder werden von mindestens einer Person begleitet, oft von vielen. Was vermutlich Sinn und Zweck der Sache ist. Auf jeden Fall von zwei Polizeibeamten aus Oakland. Endlich habe ich verstanden, warum Selbstmord als Verbrechen gilt. (...) Es gibt "gute" Selbstmorde. Oft "gute Gründe", wie eine tödliche Krankheit, Schmerzen. Aber mich fasziniert eine gute Methode mehr. Kugel in den Kopf, ordnungsgemäß aufgeschnittene Pulsadern, anständige Schlafmittel. Selbst, wenn sie scheitern, scheint von diesen Menschen ein Friede, eine Stärke auszugehen, die von einer wohlüberlegten Entscheidung herrührt. Es sind die Wiederholungen, die mir zusetzen – die vierzig Penicillintabletten, die zwanzig Valium und eine Flasche Hustensaft. Ja, mir ist klar, statistisch gesehen haben Menschen, die damit drohen, sich umzubringen, irgendwann Erfolg. Ich bin überzeugt, dass es dann immer ein Unfall ist. John, der normalerweise um fünf Uhr nachmittags nach Hause kommt, hat einen Platten und kann seine Frau nicht mehr rechtzeitig retten. Ich habe auch den Verdacht, dass in einigen Fällen Totschlag vorliegt, der Ehemann oder ein anderer Dauerretter sind es schließlich leid geworden, schuldbewusst im allerletzten Moment noch aufzutauchen. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)


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Samstag, 20. August 2016


André Penteado - Dad's Suicide

"While he was living in London, photographer André Penteado received a call from his family in Brazil with news that his father had died. About a half-hour later he received a second call saying the cause of death was suicide. Penteado immediately flew home for the funeral and began documenting his experience with his camera. Over time he expanded the project by photographing himself wearing his father’s clothing, as well as documenting some more mundane items, including all of the coat hangers his father owned. That work became part of his series “Dad’s Suicide.”

David Rosenberg on Slate's Behold - The Photo Blog

über die ungewöhnliche Verarbeitung des väterlichen Suizids durch den Fotografen André Penteado.


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Donnerstag, 18. August 2016


Shimpū Tokkōtai

Kamikaze:

"Shimpū ist die Aussprache von 神風 nach der On-Lesung, Kamikaze hingegen ist die Aussprache desselben Zeichenpaares in der Kun-Lesung, die aber bei Kanji-Zusammensetzungen die Ausnahme ist. Der Begriff Kamikaze selbst steht im Deutschen für einen Selbstmordangriff auf militärische Ziele, im übertragenen Sinn aber auch für selbstschadende Handlungen..."

Wikipedia.


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Sonntag, 14. August 2016


Johnson, Jahrestage (2)

Es ging die Bürger von Jerichow gar nichts an, wie Lisbeth Cresspahl gestorben war. Der Selbstmord sei nicht vor Menschen oder aus moralischen Gründen verwerflich. Es sei eine Sache zwischen Lisbeth und ihrem Gott, daß sie von ihm mehr erwartet habe, als er habe geben wollen. Sie sei zum Sterben so frei gewesen wie zum Leben, und wenn sie auch besser das Sterben ihm überlassen hätte, so habe sie doch ein Opfer angeboten für ein anderes Leben, den Mord an sich selbst für den Mord an einem Kind. Ob das ein Irrtum gewesen sei, werde sich nicht in Jerichow herausstellen. (...) Hingegen ging es die Bürger von Jerichow sehr wohl an, daß Lisbeth Cresspahl gestorben war. Sie hatten mitgewirkt an dem Leben, das sie nicht ertragen konnte. (Uwe Johnson: Jahrestage 2)


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Johnson, Jahrestage (1)

Gewiß verbietet die Bibel den Selbstmord nicht ausdrücklich. Aber es ist an die Stelle des Verbots der Gnadenruf an den Verzweifelten gesetzt. Es war nun einmal so, daß der Selbstmord die Reue unmöglich machte, und damit die Vergebung. (...) Er suchte nach dem Beweis dafür, daß Gott sich das Recht über das Ende des Lebens selbst vorbehalten habe, weil ihm allein bekannt sei, zu welchem Ende er dies Leben führen werde. (...) Wenn Gott den Selbstmord nicht verbietet, führt er nicht dem Verzweifelten die Hand, wenn er ein solches Ende zuläßt? Wenn Gott das Recht des Lebens selbst wahrnimmt, ist nicht auch dessen Ende Auftrag Gottes? (Uwe Johnson: Jahrestage 2)


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Donnerstag, 11. August 2016


Suizid in der Bibel

Kein Verbot des Selbstmords in der Bibel. Er wollte wohl glauben, daß diese Lisbeth Cresspahl beide Bücher der Heiligen Schrift ausgelesen hatte. Aber war es nicht lächerlich, eine Bürgerstochter, die Frau von Cresspahl bei theologischen Kniffeleien zu sehen. Gewiß hatte Samson den Tempel nicht nur über den vornehmen Philistern eingerissen, sondern auch über sich. Abimelech hatte seinen eigenen Tod besorgt, damit er der Schande entging, von einer Frau getötet worden zu sein. Ahithophel und Judas hatten sich erhängt. Siehe auch Apostelgeschichte 16,27; Offenbarung 9,6. Simri hatte sich verbrannt, und es war als eine Folge seiner Sünden gegen Gott erklärt. Es waren schließlich neun Stellen, die Brüshaver auf seinem Zettel notierte, statt die Predigt für den 24. April weiterzuschreiben. Er schlief darüber ein, und als Aggie ihn nach Mitternacht ins Bett holte, hatte er vergessen, was er im Seminar gelernt hatte: der Selbstmord sei nicht vor Menschen oder aus moralischen Gründen verwerflich; Selbstmord sei Abfall von Gott. (Uwe Johnson: Jahrestage 2)


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Samstag, 6. August 2016


Einsamkeit

In diesem Wikipedia-Artikel, dessen Struktur- und Nachweise zwar derzeit moniert werden, finden sich nichtsdestotrotz einige interessante Ausführungen, Anregungen und Querverbindungen zum Thema.

Und, wer weiß, vielleicht ist diese Technik einer Befassung mit sich selbst als Überwindung der Einsamkeit danach verständlich und womöglich sogar tauglich?


Dienstag, 2. August 2016


Minimum

Ich rette jeden Tag ein Leben. Meines.


Mittwoch, 27. Juli 2016


Prävention ist möglich

Über Suizidprävention gelesen, ein auch mit konkreten Fakten und Hinweisen gespickter längerer Blogbeitrag einer selbst Betroffenen. Alle 52 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch selbst das Leben. Im Jahr 2013 hatten Sachsen-Anhalt und Sachsen die höchste Suizidziffer, Berlin und Nordrhein-Westphalen die Niedrigste.


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Dienstag, 26. Juli 2016


Johannes Korten

Wegen des potentiellen Nachahmereffekts erfolgt die konkrete Berichterstattung über Suizide regelmäßig nur eingeschränkt.

In diesem Fall hat sich die Trauer über den Schöpfer von #einBuchfürKai allerdings bereits ihre eigene Bahn gebrochen - vornehmlich mit Beiträgen zu Depressionen und der Frage nach Prävention, zu der Herr Dostoevskij im nächsten Beitrag einen lesenswerten Link festgehalten hat. (Und außerdem weitere Links zu Nachrufen im Kommentar.)


 

Geklaut beim Salbader
Geklaut beim Salbader

Hinweis in eigener Sache
Das Weblog Freitod definiert schon mit seinem Namen das Thema, das es enthält: Aspekte des Suizids sollen in gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht erörtert werden. Freitod ist ein kollaboratives Weblog, das allen registrierten Antville-Usern ermöglicht, sich zu beteiligen, indem sie entweder Einträge verfassen oder Kommentare zu den Einträgen schreiben können. Abgrenzend sei gesagt, dass nicht um Sinn und Daseinsberechtigung des Freitodes diskutiert werden soll und dass es sich auch nicht um ein Selbshilfeforum für Gefährdete oder betroffene Angehörigen handelt.

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Zuletzt aktualisiert: 21.09.2016, 17:40 Uhr
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