Freitod - Weblog zum Selbstmord
[mit unsäglich origineller GIF-Animation]
 
Samstag, 12. November 2005


Idee

Eine Freundin, auch Geliebte gesteht mir : Ihre Untreue. Sie redet von Betrug, ich sehe keinen: Wo ist der Betrug, wenn sie doch ihr Verhalten offen zugibt und drüber redet ? Von Betrug also keine Spur. - Aber: es verletzt mich, es trifft mich: Meine verheiratete Geliebte, die ihren Gatten mit mir "betrügt", diesmal wirklich, weil verschwiegen. Ihre Affäre mit einem anderem, einem dritten, verheimlicht sie mir nicht. Also kein Betrug. Und trotzdem fühle ich mich betrogen; mag nichts mehr, außer dem Ende unserer love-affair, die niemals etwas anderes als eine körperliche hätte sein sollen.

Und in diesem End-Gespräch droht mir meine fast schon ehemalige Geliebte mit Selbstmord. "Wenn Du gehst, bringe ich mich um". Epressung als Lösung einer fatalen Situation; Tod als letzter Ausweg einer verfahreren (??) drei- nein, vierecksbeziehung.

Eine Leiche als Lösegeld für eine Erpressung. -

Was noch ist dazu zu sagen, außer dem, daß es nach dieser in meinen Augen zutreffenden Theorie praktisch keine echten Selbstmorde gibt : Freitod als Möglichkeit, sich Gehör, Aufmerksamkeit zu verschaffen. Bleibe bei mir, siehe her, ich bin´s. Höre auf mich, sehe bei mich, glaube mir .. ich überzeuge dich durch die einzige aussagekräftige Formulierung, die ich zu formulieren nooch imstande bin : Meine Leiche .... -

Die traditionell übermittelten Werte des Abendlandes und des christlichen Glaubens lassen keine andere Möglichkeit als die der absoluten Ernstnahme zu.--- Selbstmord als Erpressung, in Verzweiflung, dies sind wohl fast alle Selbstmorde, und kaum einer, dem dieser Gedanke abginge. - Was es aber sein sollte : Freitod, im wahrsten Sinne des Wortes, der Erkenntnis, ohne Erpressung, ohne Schuldzuweisungen. Frei im Tod, ebenso wie frei im Leben, frei in Entscheidungen; Bekenntnis ohne zwingende Not ( oder Notwendigkeit ), nicht mehr zu wollen – und dabei doch zu können. Also Freitod ohne Zwang auf andere; aber dies geht solange nicht, wie unsere „christliche“ Gesellschaft sich dagegen stellt, wie gegen Tod überhaupt, also den Tod als Selbstverständnis akzeptiert, somit auch die Möglichkeit des bewußten Endes. - Der Gedanke, das Beste im Leben durch Freitod verpaßt zu haben, ist ebenso müßig wie überflüssig, eine Beantwortung kann allenfalls der Betroffene leisten, also subjektiv. Was ist das Beste ? Ebenso, wie die Idee nach einer Liebe, nach einer Verliebheit, nach einem Hass, einer Freude oder einem Leiden immer nur aus persönlich-emotionalen Gründen motiviert werden kann, kann auch der Freitod – nicht der Selbstmord ! - nur so definiert werden : Unwillkürlich. -


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Selbstmord vs. Freitod

Selbsttötung Freitod (Sokratischer Tod) und Selbstmord (Impulsiver Verzweiflungs- oder krankhafter Tod). Wir unterscheiden Freitod (Sokratischer Tod) und Selbstmord. Mit Selbstmord bezeichnen wir die Selbsttötung als Ergebnis einer impulsiven Verzweiflungshandlung oder aus einer Krankheit (Depression, Neurose, Psychose) heraus. Davon grenzen wir die Selbsttötung als philosophische Bilanzierungshandlung durch den Terminus Freitod (Sokratischer Tod) ab. Der Freitod (Sokratische Tod) ist die bewußte und sorgfältig entwickelte und auseinandergesetzte Entscheidung für den Tod, etwa aus Erwägungen heraus, daß dem Leben keine angemessene Lebensqualität mehr abgewonnen werden kann (z. B. alt, krank, gebrechlich, einsam). Die nachvollziehbare Entscheidung eines Menschen zum Freitod (Sokratischen Tod) ist zu respektieren. Es sind die gesellschaftlichen, politischen und heilkundlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß ein Sokratischer Tod in einem menschlichen Rahmen in Freiheit und Würde erfolgen kann (z. B. im Kreise gewünschter Nächster). Die Psychopathologisierung und Psychiatrisierung des Freitodes (Sokratischen Todes) ist nach unserer Auffassung weder wissenschaftlich noch moralisch zu rechtfertigen.


Freitag, 11. November 2005


"Der Leberschaden" - im Visier der Staatsanwaltschaft

"... Eine angeblich todkranke Frau, die in Wirklichkeit gar nicht todkrank war, hat Sterbehilfe erhalten. Im April ist die 69-Jährige nach Zürich gefahren und hat dort den tödlichen Giftcocktail bekommen, mit dem sie schließlich aus dem Leben schied. Der deutsche Hausarzt soll seiner Patientin zuvor ein falsches Attest ausgestellt haben, das ihr einen unheilbaren Leberschaden bescheinigte. Eine Obduktion hat dann allerdings ergeben, dass die Frau gar nicht unheilbar krank war. Mit dem falschen Attest hatte sie es geschafft, von einem Schweizer Arzt der Sterbehilfeorganisation Dignitas das tödliche Medikament zu bekommen.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen beide Mediziner eingeleitet. Allerdings hat sich der Schweizer Doktor inzwischen selbst das Leben genommen. ..."

(Stuttgarter Zeitung vom 11.11.2005, S. 1, der gesamte Artikel ist online im digitalen Abonnement).

Zum umfänglichen Ausgangsbericht mit weiteren Hinweisen und streitbaren Provokationen bei Facts.ch.


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Donnerstag, 10. November 2005


Bernhard, Ein Kind

Selbstmord war eines seiner selbstverständlichsten Wörter, es ist mir seit der frühesten Kindheit vor allem aus dem Mund meines Großvaters vertraut. ich habe Erfahrung im Umgang mit diesem Wort. Keine Unterhaltung, keine Unterweisung seinerseits, in welcher nicht unausweichlich die Feststellung folgte, daß es der kostbarste Besitz des Menschen sei, sich aus freien Stücken umzubringen, wann immer es ihm beliebe. Er selbst hatte lebenslänglich mit diesem Gedanken spekuliert, es war seine am leidenschaftlichsten geführte Spekulation, ich habe sie für mich übernommen. Jederzeit, wann immer wir wollen, sagte er, können wir Selbstmord machen, möglichst auf das ästhetischste, sagte er. Sich aus dem Staub machen können, sagte er, sei der einzige tatsächlich wunderbare Gedanke. (Thomas Bernhard: Ein Kind, S. 30)


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Sonntag, 6. November 2005


Gustafsson, Blom

Frau Juhlin, dem Hörensagen nach eine melancholische Natur, war eines Abends hinunter zum See gegangen und hatte sich ertränkt. Aus welchem Grund, ob es nun etwas anderes war als Melancholie, ist nicht leicht zu sagen. In dieser Gegend war man ja daran gewöhnt, daß die Menschen an düsteren Novembertagen und in langen dunklen Winternächten schwermütig wurden. Kurz gesagt, dergleichen kam vor. (Lars Gustafsson: Blom und die zweite Magenta, S. 62)


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Donnerstag, 3. November 2005


Golden Gate Bridge: Suicides by location

The first suicide occurred 10 weeks after the bridge opened in 1937. Grafik hier.


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Sonntag, 30. Oktober 2005


Sterbehilfe-Diskussion

Deutsche Hospizstiftung lehnt aktive Sterbehilfe ab (mp3): "Der Geschäftsführer der Deutschen Hospizstiftung, Eugen Brysch, hat die Beibehaltung des Verbots zur aktiven Sterbehilfe gefordert."


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Einweisung nach Anruf

"Es genügt ein Anruf bei der Polizei, um jemanden festnehmen und in die Psychiatrie bringen zu lassen. Es reicht völlig, wenn man sich als besorgter Angehöriger ausgibt und behauptet, die Person wolle sich das Leben nehmen." [Mehr]. Die Fortsetzung gibt es hier.



Fontane: Graf Petöfy

Es ist ein tiefes und schönes Wort, das Wort von der süßen Gewohnheit des Daseins; alles, was lebt, hängt auch am Leben, und nur der geht, der gehen muß. Unter den vielen Bücherweisheitssätzen, die mir von Grund aus zuwider sind, steht der von der besonderen Feiglingschaft derer, die das Pistol in die Hand nehmen, obenan. Nach dem bißchen Lebensweisheit, das ich mir anzueignen in der Lage war, hört das Pistol auf, wo die Feigheit anfängt, und hört die Feigheit auf, wo das Pistol anfängt. Wer es in die Hand nimmt, ist durch schwere Kämpfe gegangen. Achtung vor dem Unglück! (Theodor Fontane: Graf Petöfy, S.13)


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Samstag, 29. Oktober 2005


Roth: Operation Shylock

So anheimgegeben der Katastrophe des Selbstverlustes, wie ich es war, hätte das als Bestätigung von hinreichend verstörender Beweiskraft dienen können, um mich zur Überzeugung zu bringen, es sei nun soweit, Selbstmord zu begehen. Denn ich dachte die ganze Zeit daran, mich umzubringen. Gewöhnlich dachte ich daran, mich zu ertränken: in dem kleinen Teich, der vom Haus aus auf der anderen Seite der Straße lag... hätte ich nicht einen solchen Horror vor den Wasserschlangen gehabt, die dort an meinem Leichnam knabbern würden, in dem malerischen großen See, der nur wenige Meilen entfernt lag... hätte ich nicht solche Angst gehabt, allein dort hinauszufahren. (Philip Roth: Operation Shylock. Ein Bekenntnis, S.19)


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Donnerstag, 27. Oktober 2005


Unwürdig?

Dignitas ist ein diktatorischer Verein. Die umstrittene Schweizer Sterbehilfeorganisation besteht faktisch nur aus einer Person: Ludwig A. Minelli. Zeit-Artikel von Urs Willmann. // Weitere Artikel zur Sterbehilfe aus dem Fundes des Deutschlandradios: [1], [2], [3], [4], [5], [6], [7], [8], [9] und in zwei Videos des ZDF.


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Dementiert

George Clooney wehrt sich gegen Berichte, er hätte Anfang des Jahres an Selbstmord gedacht und behauptet, seine Aussagen wären fehlinterpretiert worden. [Mehr]


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Montag, 24. Oktober 2005


Statistik

Die Deutschen scheinen etwas mehr Freude am Leben zu finden. Zumindest nimmt die Zahl derer, die den Freitod wählten, weiter ab. Männer bringen sich dabei nach wie vor viel öfter um als Frauen. Der Anteil der Selbstmorde an den Todesfällen ging 2003 auf 1,3 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt. Bezogen auf je 100.000 Einwohner verübten 14 Menschen Suizid, 1983 waren es noch 24 Menschen gewesen. In absoluten Zahlen schieden 2003 rund 11.150 Menschen freiwillig aus dem Leben. Der Suizid bei Männern ist den Angaben zufolge nach wie vor erheblich häufiger als bei Frauen, mit weiter steigender Tendenz. Während die Zahl 1983 bei den Männern mit 32 Sterbefällen je 100.000 Einwohner fast doppelt so hoch war wie bei den Frauen mit 16 Sterbefällen, waren es 2003 mit 20 Personen je 100.000 Einwohnern sogar drei Mal so viele Männer wie Frauen (sieben Gestorbene je 100.000 Einwohner). Nahezu die Hälfte der Betroffenen (5538 Personen) wählte 2003 Erhängen, Erdrosseln beziehungsweise Strangulieren und Ersticken als Suizidmethode, wie die Statistiker mitteilten. Einen Sturz in die Tiefe wählten 1100 Personen und eine vorsätzliche Selbstvergiftung 940 Personen. [X]


 

Geklaut beim Salbader
Geklaut beim Salbader

Hinweis in eigener Sache
Das Weblog Freitod definiert schon mit seinem Namen das Thema, das es enthält: Aspekte des Suizids sollen in gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht erörtert werden. Freitod ist ein kollaboratives Weblog, das allen registrierten Antville-Usern ermöglicht, sich zu beteiligen, indem sie entweder Einträge verfassen oder Kommentare zu den Einträgen schreiben können. Abgrenzend sei gesagt, dass nicht um Sinn und Daseinsberechtigung des Freitodes diskutiert werden soll und dass es sich auch nicht um ein Selbshilfeforum für Gefährdete oder betroffene Angehörigen handelt.

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