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Freitod - Weblog zum Selbstmord [mit unsäglich origineller GIF-Animation] |
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Samstag, 7. November 2009
Steinfest, Ein sturer Hund Nicht, daß er ernsthaft an Selbstmord dachte. Aber groß war die Verführung schon. Allerdings nicht minder groß der Aufwand, den das Befeuern einer Pistolenkugel bedeutete, die Einnahme ausreichend vieler Tabletten oder etwa das Steuern des Wagens gegen ein wirklich robustes Objekt der Natur. Dies alles bedingte Vorbereitungen und Anlaufzeiten, die dazu angetan waren, von der Lebensmüdigkeit in eine Suizidmüdigkeit zu verfallen und zu erkennen, daß es wahrscheinlich leichter war, weiterzuleben als sich umzubringen. Der Sprung auf die Gleise jedoch war - zumindest für die Person, die sprang - herrlich unkompliziert. Nicht gerade sauber, aber einfach und sicher. Und die ganze Schweinerei, die dabei entstand und die ja irgend jemand wegzuschaffen hatte, nur für jenen potentiellen Selbstmörder ein Problem, der sowohl in sozialen als auch in postumen Kategorien dachte. Mortensens Wehmut war rasch verflogen. Stattdessen erfüllte ihn nun Ärger: So ein Selbstmord stelle ja im Grunde eine Frechheit dar. Was wäre gewesen, hätten es sich alle, die des Lebens überdrüssig waren, so einfach gemacht? Hätte ein jeder dem Bedürfnis nachgegeben, mit einem einzigen Schritt einen Fluß zu überqueren, in dem die anderen erbärmlich absoffen? Nein, es störte ihn keineswegs, wenn jemand Hand an sich legte, vorausgesetzt, daß der Betreffende sich dabei auch wirklich der eigenen Hand bediente. Aber jemand, der vor die Bahn sprang und damit eine ganze Strecke der Stuttgarter Stadtbahn lahmlegte, kam Mortensen wie einer von diesen Fettsäcken vor, die nicht mittels quälenden Sports oder quälender Diäten abzunehmen versuchten, sondern sich das Fett absaugen ließen. Ja, das war der Vergleich, den er für passend hielt. (Heinrich Steinfest: Ein sturer Hund, S. 22)
Dostoevskij,
07.11.09, 10:33 ,
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Hochgatterer, Süße des Lebens Das Leben geht immer schlecht aus. Als Psychiater bin ich in Wahrheit mit nichts anderem beschäftigt als damit, den Menschen vorzumachen, daß es nicht so ist. Ich bin ein Gaukler, dachte er. Daß das Leben immer schlecht ausgeht, ist Grund genug, verrückt zu werden oder sich aufzuschneiden oder sich Heroin in die Venen zu hauen, aber das darfst du nicht laut sagen. (Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens, S. 126)
Dostoevskij,
07.11.09, 10:32 ,
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Duve, Taxi Wie sollte ich meine Wohnung kündigen? Und wie sollte ich eine neue Wohnung anmieten? Nein, das ging nicht. Mir wurde schon schlecht, wenn ich nur daran dachte. Am besten, ich brachte mich um. Das war das Unkomplizierteste. Andererseits: vielleicht entwickelte ich mich ja irgendwann doch noch zu einem normalen Menschen. Das gab es, daß Leute plötzlich einen großen Entwicklungssprung machten. Ich wurde ja immer älter und älter, und eines Tages war ich vielleicht sogar in der Lage, ganz allein eine Wohnung anzumieten. Vielleicht zehn Jahre noch. So schnell wollte ich die Flinte nicht ins Korn werfen. (Karen Duve: Taxi, S. 154)
Dostoevskij,
07.11.09, 10:32 ,
Belletristik
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Dinev, Ein Licht... Sie hieß Nikolina, klebte jede freie Minute an seinem Hals, weinte öfter, als sie sprach, fragte zweimal pro Tag, ob er imstande sei, sich ihretwegen umzubringen, und ebensooft drohte sie ihm mit Selbstmord. Er nahm ihr das nicht übel. Die Stadt war sehr klein. Es geschah hier sonst nichts, außer ab und zu ein Selbstmord. Gewöhnlich waren es Militäroffiziere, die keine Arbeit mehr hatten und keine Tomaten auf dem Markt verkaufen wollten. Die meisten erschossen sich, oder sie erschossen ihre untreuen Gattinnen oder die Liebhaber ihrer Gattinnen. Auf jeden Fall knallte es. (Dimitré Dinev: Ein Licht über dem Kopf, S. 83)
Dostoevskij,
07.11.09, 10:31 ,
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Moore, Sturmflut "Wermut und Gift! Beständig denkt meine Seele daran und ist tief gebeugt." Gott! Armanda richtete ihren Blick auf den Pfarrer, der da oben auf seiner Kanzel einen alles andere als unscheinbaren Eindruck machte. Wie meinen Sie das? Beängstigend weit vorgelehnt, war hier jemand im Begriff, Jeremias Klagelied zu wiederholen, zu bearbeiten und fachmännisch auf den speziellen Fall des heutigen Tages zuzuschneiden. Was ich meine, ist, es wird allmählich Zeit, daß du damit aufhörst. Armanda darauf noch, gewitzt: Womit? Weißt du genau. Wermut und Gift, all diese elenden Gedanken, die eine Seele, auch deine, wirklich nicht großmütiger machen! Denk außerdem an die Kleine, die heute mittag daheim geblieben ist! Nadja? Ja, genau. Soll sie etwa in einer derart miesepetrigen Umgebung aufwachsen? Gott hat uns deine Schwester genommen, und damit verfolgt er eine Absicht. Stop. Paß auf. Die Grausamkeit Gottes ist ein großes Tabu. Laß also deine Schmalspurempörung und bedenke, daß du seine Beweggründe nicht verstehst. Die Summe aller Unzurechnungsfähigkeit ist Gott. Der dir heute also einen simplen Befehl erteilt. Laß sie gehen, leb du weiter. (Margriet de Moor: Sturmflut, S. 179)
Dostoevskij,
07.11.09, 10:30 ,
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Geklaut beim Salbader
Hinweis in eigener Sache Das Weblog Freitod definiert schon mit seinem Namen das Thema, das es enthält: Aspekte des Suizids sollen in gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht erörtert werden. Freitod ist ein kollaboratives Weblog, das allen registrierten Antville-Usern ermöglicht, sich zu beteiligen, indem sie entweder Einträge verfassen oder Kommentare zu den Einträgen schreiben können. Abgrenzend sei gesagt, dass nicht um Sinn und Daseinsberechtigung des Freitodes diskutiert werden soll und dass es sich auch nicht um ein Selbshilfeforum für Gefährdete oder betroffene Angehörigen handelt. Suchen Sie Erste Hilfe, ob selbst oder für eine Freundin oder einen Freund dann probieren Sie diesen Link oder diesen Link (Österreich) aus oder diesen pragmatischen Hinweis: "Nur nicht heute."
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