|
Freitod - Weblog zum Selbstmord [mit unsäglich origineller GIF-Animation] |
|
Samstag, 20. Dezember 2008
Bernhard, Korrektur (3) So fragen wir uns immer, wenn wir zwei Menschen sehen, die zusammen sind, gar soch verheiratet haben, wie diese zwei Menschen zu solcher Entschiedenheit und Handlung gekommen sind, daß es sich ja um die Natur handle, sagen wir uns, daß es sehr oft zwei Menschen sind, die nur zusammengegangen sind, um sich mit der Zeit umzubringen, früher oder später umzubringen, sich jahrelang und jahrzehntelang gegenseitig zu martern, um sich schließlich doch umzubringen, die, obwohl sie wahrscheinlich ihre gemeinsame Marterzukunft schon ganz klar sehen, doch zusammengehen, sich gegen alle Vernunft, als ein Naturverbrechen, Kinder in die Welt setzen, die dann die unglücklichsten sind, die sich denken lassen, wir haben dafür, wo wir hinschauen mögen, Beweise, so Roithamer. (Thomas Bernhard: Korrektur, S. 313)
Dostoevskij,
20.12.08, 17:30 ,
Belletristik
[Verlinken]
(no comments)
[Kommentieren]
Bernhard, Korrektur (2) Überhaupt waren wir, wie immer die Kinder in solchen sogenannten weltabgeschiedenen Gegenden, sehr früh schon mit dem Selbstmord konfrontiert gewesen, das permanent in solchen Gegenden herrschende Unglück des Einzelnen und dadurch allgemeine Unglück hatte jährlich zu Dutzenden Selbstmorden in kleinstem Umkreis geführt, auch aus den bedrückenden Wetterzuständen im Vorgebirge heraus, hier neigten sie alle immer zum Selbstmord, weil sie immer glaubten, ersticken zu müssen in der Tatsache, ihre Position durch nichts ändern zu können, jeder war sich dieser Benachteiligung durch die Geburt in dieser Landschaft bewußt. (Thomas Bernhard: Korrektur, S. 146)
Dostoevskij,
20.12.08, 17:27 ,
Belletristik
[Verlinken]
(no comments)
[Kommentieren]
Bernhard, Korrektur (1) Die Neigung zum Selbstmord als Eigenschaft eines solchen Charakters wie des Charakters meines Vetters, der sich am Ende in die Felsspalte gestürzt hat, nicht auf andere Weise umgebracht hat, zuerst hinauf in das Hochgebirge, um sich in die Tiefe der Felsspalte hinunterzustürzen, so Roithamer. Weil er so oft darüber gesprochen hat und mit solcher Hingabe und mit solcher Wissenschaftlichkeit gleichzeitig, hatten sie nicht mehr geglaubt, daß er tatsächlich Selbstmord machen wird, denn wer soviel darüber spricht wie unser Vetter, wie übrigens auch die andren, wie sein Vater beispielsweise immer und mit immer klarerem Kopf, der bringe sich schließlich nicht um, im Gegenteil, denn ein solcher mache sich in seinem Kopf den Selbstmord ununterbrochen klar und mache dadurch nicht Selbstmord, durch dieses Klarmachen in seinem Kopfe und fortwährende Fähigkeit zur Analyse einer solchen Klarheit, könne er ganz einfach nicht mehr Selbstmord begehen, weil er sich den Selbstmord immer klarmache, was ihn im Grunde abstoßen mußte, gelänge einem solchen überhaupt nicht mehr, alle möglichen Argumente, alle möglichen Grunde, alle möglichen Verneinungen führten zu allem, meistens in eine Todeskrankheit hinein, nicht zum Selbstmord, so Roithamer, denn alles sei am Ende immer wieder in einem Kopfe gegen die Selbstvernichtung, es sei aber doch auffallend, mit welcher Regelmäßigkeit ein solcher über den Selbstmord und über die Selbstvernichtung rede, das Thema lasse ihm keine Ruhe, verzerre seinen Verstand, den er dann immer wieder klarmache, aber auffallend ist an unserem Vetter doch gewesen, so Roithamer, daß er nach seiner Verehelichung mit der Kirchdorfer Arzttochter beinahe ununterbrochen von Selbstmord redete, was aber nicht ernstgenommen worden war, so Roithamer, kein Mensch hatte mehr Angst, er begehe Selbstmord, weil er andauernd vom Selbstmord redete, als redete er über einen ganz und gar klaren, ihn gleichzeitig faszinierenden Gegenstand, als handelte es sich um einen Kunstgegenstand und immer in der wissenschaftlichsten Weise. Und wer in solcher wissenschaftlichen Weise über den Selbstmord redet, wie über einen Kunstgegenstand, und mit solcher alle in sich nur beschämenden Klarheit, der begehe nicht Selbstmord. (Thomas Bernhard: Korrektur, S. 316)
Dostoevskij,
20.12.08, 17:15 ,
Belletristik
[Verlinken]
(no comments)
[Kommentieren]
|
Geklaut beim Salbader
Hinweis in eigener Sache Das Weblog Freitod definiert schon mit seinem Namen das Thema, das es enthält: Aspekte des Suizids sollen in gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht erörtert werden. Freitod ist ein kollaboratives Weblog, das allen registrierten Antville-Usern ermöglicht, sich zu beteiligen, indem sie entweder Einträge verfassen oder Kommentare zu den Einträgen schreiben können. Abgrenzend sei gesagt, dass nicht um Sinn und Daseinsberechtigung des Freitodes diskutiert werden soll und dass es sich auch nicht um ein Selbshilfeforum für Gefährdete oder betroffene Angehörigen handelt. Suchen Sie Erste Hilfe, ob selbst oder für eine Freundin oder einen Freund dann probieren Sie diesen Link oder diesen Link (Österreich) aus oder diesen pragmatischen Hinweis: "Nur nicht heute."
Online seit 8757Tagen
Zuletzt aktualisiert: 31.03.2026, 06:54 Uhr ![]() ![]() Amok
Anlass Antidepressiva Belletristik Beteiligung Cartoon und Comic Corona darüber reden Depressionen Drumherum Ehre und Scham Einsamkeit Erweiterter Suizid Es (heute) nicht tun Familiendramen Film Galgenhumor Gewalt Hilfe Hilferufe Hinterbleiben In eigener Sache Klinik Kultur Kunst Kuriosa Literaturhinweise Lyrik Manager Massenselbstmord Menschen Musik off topic Palliativmedizin Personen - historische Persönlichkeiten Prominente Prophylaxe Radio Sagen und Mythen Selbstmordattentate Statistik Statistik, Anlass Sterbehilfe Sterben und Tod Stimmungswechsel Stress und Leistungsdruck Suizid am Arbeitsplatz Suizid im Alter Suizid im Gefängnis Links: Stiftung Deutsche Depressionshilfe Wikipedia "Suizid" ![]() Zuletzt geändert
Sarco II - tragische Entwicklung
2021 wurde hier im Weblog über eine "neuartige Suizidkapsel" berichtet,...
by simons (31.03.26, 06:54)
Stefan Mickisch, Pianist und Musikwissenschaftler
(1962-2021) Ein Kurzportrait mit wesentlichen Links unter Wikipedia.de, eine Zusammenfassung...
by simons (29.03.26, 06:41)
Sterbehilfe bei psychischen Krankheiten? -
Claire Brosseau in Kanada aktuell "Acclaimed actress, 48, says she...
by simons (05.01.26, 07:32)
Suizide aufgrund PTBS - Posttraumatischer
Belastungsstörungen am Beispiel der Überlebenden des Massakers des 7. Oktober...
by simons (14.10.25, 12:40)
„Ich will in Würde sterben“,
sagt Niki Glattauer Der Lehrer, Journalist und Schriftsteller Niki Glattauer...
by tobi (03.09.25, 10:12)
"Mentale erste Hilfe" Ein
bemerkenswertes, auf konkrete und praktische Hilfe ausgerichtetes Angebot für potentielle Helfer,...
by simons (18.08.25, 12:32)
Wien, wie es sich leibt
und stirbt... Aus der Kommentarspalte des Standard, hier zu einem...
by simons (05.06.25, 17:06)
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||